das Weben

hat einen eigenen Rhythmus



 

 

Weben zählt zu den ältesten Künsten der Menschheit. Heute bekommt dieses Handwerk eine neue Bedeutung für den Menschen.

 

 

o  Definition und vorbereitende Schritte im Prozess des Webens

 

Per Definition wird durch das Weben ein Gewebe hergestellt und zwar aus losen, beweglichen Fäden.

Ein Teil dieser beweglichen Fäden, die sogenannten "Kettfäden" müssen vorher geordnet und in eine gleichmäßige Spannung gebracht werden, um damit arbeiten zu können. Man nennt es das "Schären" der Kette. 

Dann wird sie unter gleichbleibender Spannung auf den Webstuhl aufgebracht - das "Aufbäumen der Kette". 

Die Kettfäden bilden das Grundgerüst des geplanten Gewebes.

Durch Kreuzung dieser Kettfäden mit einem zweiten Fadensystem, den "Schussfäden" entsteht dann das Gewebe.

 

 

o  Die seelisch-geistige Dimension des Webens

 

Das Herzstück im ganzen Webprozess ist die eigentliche Tätigkeit des Webens durch den Weber/in. 

Dabei wird ein Teil der auf das Webgerät gespannten Kettfäden gehoben. So entsteht ein Zwischenraum, in den der Schussfaden eingetragen wird. Der Zwischenraum wird wieder geschlossen, und der Schussfaden an das bestehende Gewebe angeschlagen. Die gehobenen Kettfäden sind jetzt unten, die, die unten waren, liegen jetzt oben.

Pause. Ein neuer Abschnitt beginnt!......Das Gewebe ist gewachsen....

 

Man kann sagen: Das Weben hat seinen eigenen Rhythmus

 

Heben - Eintrag des Schussfadens - Senken - Anschlag/Pause

Heben - Eintrag des Schussfadens - Senken - Anschlag/Pause

 

Wie beim Atmen!

 

Heben - Luft holen - Senken - Stille/Leere

Heben - Luft holen - Senken - Stille/Leere

 

....Ein neuer Raum hat zur Seele Zugang....

....man kommt in einen meditativen Zustand....

 

Eine der Bewegungsrichtungen, aus denen ein Gewebe entsteht, ist also die zwischen

oben und unten.

Auf den Menschen bezogen, ist es die Verbindung zwischen dem Himmel und der Erde.

 

Auch die Richtung der Schussfäden wechselt ständig. Einmal läuft der Schussfaden von links nach rechts, dann von rechts nach links. Dabei bewegt er sich in einer schlangenförmigen Linie, denn er läuft einmal über, einmal unter dem Kettfaden.

 

Die zweite Bewegungsrichtung ist also die zwischen links und rechts.

Auf den Menschen bezogen, ist es die Verbindung zwischen der linken und der rechten Seite in ihm, also der weiblichen und der männlichen Seite.

 

Die dritte Bewegungsrichtung, mit der der Webende zu tun hat, ist die zwischen vorne und hinten.

Er hat das entstehende Gewebe vor sich und schaut auf die verwebten und auch auf die noch offen daliegenden Kettfäden. Die nicht verwebten Kettfäden bilden sozusagen die "Zukunft", das entstandene Gewebe ist die "Vergangenheit".

 

Im Verweben der Fäden findet so ununterbrochen eine Verbindung aller "Extreme" statt,

links - rechts, oben - unten, und vorne - hinten.

Sie werden laufend in die Mitte gebracht.

 

Das Weben findet im Moment statt, an der Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Jeder Eintrag (Schuss) hat Einfluss auf den Eindruck des bestehenden Gewebes und auch auf das erst zu Webende.

 

Wie im Leben!

 

 

o  Die Gestaltungsmöglichkeiten beim Weben  

 

sind fast unerschöpflich. Man kann klein, einfach und spielerisch beginnen und in ein großes, weites Feld hineinwachsen. Der Kreativität und dem Ausloten von technischen Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Immer kannst du dabei die sinnlichen Qualitäten der Materialien genießen....dich an der Schönheit der Farben erfreuen.....und dich mit der Wirkung von immer neuen Farbkombinationen überraschen....

 

Im kreativen Tun werden dabei authentische, schöne, künstlerische und wertvolle Stücke erschaffen.